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Wer erinnert sich nicht an das Mädchen mit den langen rotblonden Haaren und der Gitarre? An ihre leisen, oft traurigen Lieder? Das kann man heute fragen, nach fast 30 Jahren. Mit "Am Tag, als Conny Kramer starb" wurde die damals 16-jährige über Nacht berühmt. Oft wurde sie als Jeanne d'Arc des deutschen Schlagers bezeichnet.

Im Frühjahr 1972 erschien "Am Tag als Conny Kramer starb" als deutsche Version des Joan-Baez-Hits "The Night They Drove Dixie Down". Damit schaffte Juliane den ersten Platz der deutschen Charts, platziert sich ganze 14 Wochen lang in den Top Ten, auch wenn der Inhalt des Liedtextes zur damaligen Zeit für einigen Wirbel sorgte. Der Riesenhit verkaufte sich über 1.000.000 mal. Auch der Umschlag der damaligen Erstausgabe ihrer ersten LP war eher unkonventionell. Eigentlich wurde das Album ohne Titel herausgegeben, doch heute heißt es "In tiefer Trauer". Was wahrscheinlich mehrere Gründe haben wird: Zum einen durch die Abbildung einer Todesanzeige auf der Rückseite, zum anderen durch die Botschaft ihrer damaligen Lieder.

Wenn man das Album aufschlägt liest man die Inschrift: "Juliane Werding - ein 16jähriges Mädchen singt für eine bessere Welt, für die Menschen ..." Die LP verkaufte sich 100.000 mal. Als zweite Single erscheint "Kinder des Regenbogens". Weiter heißt es in dieser Inschrift "... Diese junge Sängerin wurde zur interessantesten Neuentdeckung des Jahres 1972 gewählt". Kurz darauf wird sie mit der Goldenen Europa der Europawelle Saar und dem goldenen Bravo-Otto als beliebteste Sängerin des Jahres ausgezeichnet. Schon lange ist aus Juliane Werding eine Vollblutmusikerin geworden. Wie auch ihr letztes Album mal wieder eindrucksvoll beweist. Mit über 20 Millionen verkauften Platten ist sie die erfolgreichste deutschsprachige Sängerin. Heute blickt Juliane Werding auf ein Leben mit Höhen und Tiefen zurück. Die negativen Seiten des Musikgeschäfts wurden ihr erst später klar, die Schwierigkeiten und Fallen, wie sie heute sagt. Am Anfang ihrer Karriere ging die damals 15jährige noch in eine Klosterschule, als "Star". Ob sie damit in der Schule zurecht kam? - "Es war teilweise so, daß Fernsehteams einfach vor der Schule standen oder in die Klassen gekommen sind, während des Unterrichts und die Nonnen mit dieser Situation vollkommen überfordert waren, weil sowas natürlich noch nie vorher dagewesen war und sie nicht genau wußten, wie sie sich verhalten sollten.

Und ich auch nicht, ich war ja auch kein Profi. Ich war auch vollkommen erschrocken, wenn da plötzlich irgendwelche Fernsehteams in meiner Klasse standen. Das hat meine Mitschüler genervt und ich bin dann mit der Mittleren Reife auch gebeten worden, die Schule zu verlassen." In den 70er Jahren ebenfalls ein großer Hit "Wenn Du denkst Du denkst, dann denkst Du nur Du denkst" oder "Man muß das Leben eben nehmen, wie das Leben eben ist". Fragt man heute Juliane aus heutiger Sicht, ob man das Leben eben nehmen muß, wie das Leben eben ist; antwortet sie: "Ich würde sagen, man muß lernen zu erkennen, welche Situationen sich verändern lassen und was man einfach hinnehmen muß, was man nicht ändern kann; wo man seine eigene Einstellung zu ändern muß, um es erträglich zu machen. Im Endeffekt muß es eine ausgewogene Mischung sein, aus Wille, Kraft und sich selber zurückzunehmen und Dinge eben - die unveränderbar sind - einfach hinzunehmen."

Inschrift der Platte "Mein Name ist Juliane" (1973):

Juliane Werding - siebzehn Jahr, blondes Haar - ein Schlageridol? - Nein! - Ein Anti-Schlager machte sie weit über die Grenzen hinaus bekannt. Ein Lied gegen die Drogensucht. Das ist Juliane: progressiv - jedoch nicht feindselig: angriffslustig der Gesellschaft gegenüber, die im Überfluss lebt. So sind auch ihre Lieder, sie singt nur das, was sie will. Vielen Älteren und auch vielen der jungen Generation sind ihre Lieder unbequem, weil sie ehrlich sind, denn unsere Gesellschaft krankt an der Wahrheit.


Hans-Ulrich Weigel, 28, früherer Texter von Juliane Werding (1973):

Liedertexte für (und mit) Juliane Werding zu schreiben - das bedeutet heute für mich höheren Nervenverschleiß, heissere Diskussionen und mehr Textänderungen als zu Conny Kramers Zeiten. Der Anfangserfolg will bestätigt, gehalten und ausgebaut werden.

Oft nehm' ich Anhalter im Auto mit, und fast immer kommen wir dann über das Thema Juliane Werding ins Diskutieren. Da kriegt man natürlich auch sachliche und knallharte Kritik zu hören, aber nie Vorschläge, was wir besser machen könnten. Zeigemäße Texte zu machen- weder zu kompliziert noch zu banal - das hat für mich echt etwas von einem Seiltänzer. Auf die Frage nach Julianes Image ("Die ist doch in Wirklichkeit gar nicht so, oder?") kann ich immer nur sagen, dass wir über so etwas nie nachgedacht haben. Juliane ist eben so, und wenn ihr was nicht passt, sagt sie es bedenkenlos jedem, auch wenn er es gar nicht hören will.

Mein größter Wunsch: Dass wir auf dem richtigen Weg bleiben, bessere Lieder zu machen (sie sind, allen Gerüchten zum Trotz, auch in unserer Sprache machbar) und dass sich noch mehr geeignete Leute finden, die gute Melodien schreiben, damit wir nicht immer wieder auf Eindeutschungen fremdsprachiger Titel zurückgreifen müssen.

Letzte Aktualisierung: 03. October 2006 | www.juliane-werding.de ||